• Normalität in Film Presse und Fernsehen

    Date: 2012.04.26 | Category: Allgemein, Aus dem Alltag, Bildung und Beruf, Über Mich | Response: 2

    Am 24.02.2012 war ich in Berlin bei der Veranstaltung: Vor aller Augen (un)sichtbar – Geistige Behinderung und Öffentlichkeit.

    Es ging darum, dass Menschen mit so genannter geistiger Behinderung kaum wahrgenommen werden und auch aus unserer Gesellschaft ausgeschlossen sind. Daran sollte diese Veranstaltung etwas ändern.

    Ich achte ja immer darauf, ob ich Menschen mit Behinderung sehe und wünsche mir viel mehr Filme, in denen auch diese Menschen gezeigt werden.

    Leider ist das Interesse an solchen Filmen nicht sehr groß und  die Einschaltquoten nicht besonders hoch. Berichtet wird hauptsächlich über Skandale, oder es gibt Negativschlagzeilen.

    Dokumentarfilme werden oft erst kurz vor Mitternacht ausgestrahlt.

    In Spielfilmen müssen sich erwachsene Menschen mit Behinderung oft wie Kleinkinder verhalten.

    Auch wenn man das Down – Syndrom hat, wird man erwachsen und möchte nicht mit einem Teddybär durch die Gegend laufen.

    Ich stelle mir vor, dass in ganz vielen Filmen irgendwelche Menschen mit Handicap sichtbar sein sollten, ohne dass es Thema sein muss.

    Vorstellbar wäre für mich eine Frau mit Down-Syndrom an der Supermarktkasse, ein Blinder, der mit seinem Hund über die Straße läuft, ein Rollstuhlfahrer, der leider nicht ins Kino oder ins Restaurant kommt, weil Treppen ihn daran hindern.

    Es wäre auch schön, wenn in einem Kindergarten oder einer Schule behinderte und nicht behinderte Kinder miteinander spielen oder lernen.

    Auch in der Werbung könnte ich mir gut vorstellen, dass zum Beispiel eine glückliche Familie mit einem behinderten Kind zu sehen ist.

    So könnte man zeigen, dass man keine Angst vor Behinderung haben muss.

    Behinderung heißt nicht gleich, dass man unglücklich ist.

    Trotz Handicap kann man zufrieden und glücklich sein.

    Da können die Medien sicher ganz viel dazu beitragen, dass wir eine  ander Sichtweise bekommen!

  • Meine Liebe zur Musik

    Date: 2012.04.23 | Category: Allgemein, Aus dem Alltag, Bildung und Beruf, Musik, Über Mich | Response: 0

    Musik verbindet. Freude an Musik haben Menschen mit und ohne Handicap.

    Für mich war Musik schon immer sehr wichtig.

    Wie viele Säuglinge und Kleinkinder mit Down-Syndrom wollte ich nicht essen.

    Zum Glück habe ich einen großen Bruder, der Klavier spielte. Mit Musik klappte das Essen und mein armer Bruder musste immer Klavier spielen.

    Als ich kaum stehen konnte, zog mich das Klavier magisch an und ich klimperte mit Begeisterung darauf herum.

    Im evangelischen Regelkindergarten kam der Pfarrer jede Woche einmal mit seiner Gitarre um mit uns Kinderlieder zu singen. Ich war genau so begeistert, wie alle anderen Kinder in meiner Gruppe.

    Auch die Musiktherapie machte mir viel Spaß.

    Als ich eingeschult wurde, wollte die Musiklehrerin der Schule auf keinen Fall die Integrationsklasse unterrichten, weil sie große Bedenken hatte. Schon nach ganz kurzer Zeit überlegte sie es sich und ich durfte sogar bei Aufführungen mitmachen!

    Weil ich so begeistert von Musik war, meldete meine Mutter mich zur „musikalischen Früherziehung“ an. Hier war ich mit nicht behinderten Kindern zusammen. Die Musiklehrerin meinte, ich würde gar nicht „rausfallen“ aus der Gruppe.

    Einmal in der Woche kamen Schüler zum Flötenunterricht zu meiner Tante. Ich durfte immer dabei sein und zuhören.

    Eines Tages lief ich einfach vor die Haustür und klingelte. Als meine Tante öffnete, sagte ich: „Ich bin die Flötenkinder!“

    Und ich bekam tatsächlich Flötenunterricht! Bald konnte ich mit den anderen Flötenkindern ohne Handicap mehrstimmig spielen. Es machte uns und unseren Zuhörern viel Freude, wenn wir auf Veranstaltungen spielten. Die Musik hat uns verbunden.

    Später bekam ich auch Klavierunterricht von meiner Tante. Der Unterricht macht mir auch viel Freude und ich bin immer sehr froh, wenn ich vor Publikum spielen kann und meine Musik gut gefällt. Da springt der Funke über und mein Handicap gerät in Vergessenheit.

    Ich liebe klassische Musik und gehe gern ins Theater um Musicals, Opern oder Operetten anzusehen. Wie immer achte ich darauf, ob ich Menschen mit Behinderung sehe. Leider sehe ich nur selten welche.

    Meine Kusine spielt die erste Geige in einem Orchester und ich freue mich immer wenn sie Konzerte geben.

    Mir ist aufgefallen, dass dort fast zu jedem Konzert eine schwerstbehinderte junge Frau im Rollstuhl unter den Zuhörern ist. Sie kann sich nicht bewegen und klatschen, trotzdem sieht man an ihren Augen, wie gut es ihr gefällt.

    Natürlich mag ich auch moderne Musik und würde mir wünschen, dass es viel mehr Veranstaltungen gibt, bei denen Menschen mit und ohne Behinderung teilnehmen können.

  • Ostern mit den „Wasserflöhen“ an der Costa Brava in Spanien

    Date: 2012.04.22 | Category: Allgemein, Aus dem Alltag, Über Mich | Response: 1

    Am 04. April ging es los. Marko, Markus, meine Mutter und ich machten uns auf den Weg. Wegen einem Streik startete unser Flugzeug erst um 23:00 Uhr statt um 18:50 Uhr . Um 02:00 Uhr kamen wir in unserem Apartment in Estartit an.

    Dann begann eine wunderschöne Zeit gemeinsam mit Aquanaut Tauchern. Marko kümmerte sich rührend um Markus und mich.

    Für mich war es sehr aufregend, zum ersten Mal mit einem Boot von Unisub hinaus zum Tauchplatz zu fahren.  Auf dem Weg dorthin bauten wir unser Equipment zusammen. Dann ging es mit einem Schrittsprung ins kalte Wasser. Zum Glück hatte ich eine Eisweste und Handschuhe. Zum Abtauchen konnten wir uns vom Boot aus abseilen in die herrliche Unterwasserwelt. Das Riff  leuchtete in vielen verschiedenen Farben. Marko und ich bewunderten die vielen Fische. Unter anderem sahen wir Zweibindenbrassen, Goldbrassen, braune Zackenbarsche, einen großen Drachenkopf, Muränen, Fahnenbarsche, Meerbarben und sogar viermal einen Octopus. Am besten gefiel mir das Höhlentauchen, einmal entdeckten wir dort einen Delphin aus Stein.

    Ostern hatten wir viel Spaß beim Ostereiertauchen, welche die  Crew von Unisub vorher ins Meer versenkt hatte.

    Marko hat viele wunderschöne Erinnerungsfotos gemacht.

    Besonders interessant war auch ein Ausflug nach Pals. Das ist ein wunderschöner mittelalterlicher Ort auf einem Hügel mit einer Burg, gepflasterten Straßen und einer Stadtmauer. Dort gibt es Geschäfte für Touristen, ein  sehr teures Restaurant und auch Leute, die dort wohnen. Für uns war die Aussicht ins Tal und auf das Meer besonders schön.

    Am 11. April um 21:00 Uhr ging unser Heimflug von Girona los und um 1:30Uhr waren wir zu Hause.

    Schade, dass die Zeit so schnell vorbei war. Tauchen ist wirklich ein sehr, sehr schöner Sport und ich freue mich schon auf das nächste Mal.

  • Lebenslanges Lernen trotz Behinderung

    Date: 2012.04.16 | Category: Allgemein, Aus dem Alltag, Bildung und Beruf | Response: 2

    Lernen macht Spaß, lernen macht unabhängig, man wird dadurch selbstständiger und erweitert seinen Horizont.

    Ich hatte als Kind viele Lernspiele und auch heute noch lerne ich sehr viel spielerisch.

    Schon mit drei Jahren lernte ich es, meinen Kassettenrecorder zu bedienen. Ich liebte meine Hörspiele und meine Musikkassetten und plapperte die Texte mit. So konnte ich meinen Wortschatz erweitern. Der Computer hat schon immer eine große Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Zu meinem fünften Geburtstag bekam ich mein erstes Lernprogramm. Es war ein englisches ABC-Programm und machte mir viel Freude.

    Schon bald entdeckte ich, dass der Computer der beste Lehrer für mich war. Ich konnte immer wenn ich Lust dazu hatte meine Lernprogramme öffnen und alle Themen so oft wiederholen, wie ich wollte. Weil der Computer Fehler sofort erkennt und meldet, prägten sich auch keine Fehler ein und ich bekam dadurch viel Sicherheit.

    Diese Möglichkeit zu lernen wünsche ich alle Menschen.

    Leider achtet man bei Menschen mit Behinderung nur auf ihr Defizit und

    darunter leidet auch das Selbstwertgefühl. Zur Chancengleichheit gehört auch das Recht zu lernen. Obwohl in Deutschland Schulpflicht herrscht, gibt es viele Analphabeten. Besonders Menschen mit Handicap verlernen die mühsam erworbenen Fähigkeiten weil sie nicht genutzt werden.

    Darum ist lebenslanges Lernen besonders auch für Menschen mit Behinderung sehr wichtig.

    Je mehr man gelernt hat, desto besser findet man sich in seiner Umwelt zurecht und um so mehr wird man auch von seinen Mitmenschen akzeptiert.

    Leider können sich viele das Lernen gar nicht leisten. Computerkurse oder Volkshochschulkurse sind teuer. Ich wünsche mir deshalb eine Datenbank, die Menschen mit Handicap kostenlos lebenslanges Lernen ermöglicht.

  • Mein Beitrag zur Inklusion auf Veranstaltungen

    Date: 2012.03.10 | Category: Allgemein, Aus dem Alltag, Über Mich | Response: 3

    2009 nahm ich an einem Schreibwettbewerb des bvkm und der Aktion Mensch mit dem Titel „Frauen sind anders – Männer auch“ teil. Für meine Geschichte „Leben mit Handicap“ bekam ich den 3. Preis und seither auch mehrere Einladungen, auf Veranstaltungen über Inklusion zu sprechen. Das mache ich sehr gerne, weil mir gerade Menschen mit Down-Syndrom sehr am Herzen liegen. Ich möchte zeigen, dass wir auch etwas können und dazu gehören.

    So hatte ich Gelegenheit, beim Lionsclub in Darmstadt einen Vortrag über mein Leben mit dem Down-Syndrom zu halten.

    Auch bei einer Inklusionsveranstaltung zum Projekt AHA vom Roten Kreuz habe ich einen Vortrag gehalten und mehrere Stücke auf dem Klavier gespielt.

    Bei einer Veranstaltung der LAG gemeinsam leben – gemeinsam lernen wurde ich zum Thema Arbeit interviewt und beim 25jährigen Jubiläum habe ich Klavier gespielt.

    In dem Film „vier Leben“ von Cornelia Thau bin ich ja eine der Protagonisten. Bei einigen Filmvorführungen in der Nähe von meinem Wohnort war ich dabei und stellte mich anschließend zusammen mit Frau Thau den Fragen der Zuschauer.

    Mir macht es sehr viel Spaß und ich bin auch gar nicht aufgeregt.

    Mit dem Ohrenkuss habe ich auch schon an verschiedenen Lesungen, z.B. im Amerikahaus in Köln oder an der PH in Heidelberg usw. teilgenommen.

    Im Februar habe ich eine Einladung nach Berlin. Dort soll ich an einer Diskussion teilnehmen.

    Viele Zuhörer kennen gar keine Menschen mit Down-Syndrom, darum möchte ich gerne helfen, die Berührungsängste abzubauen.

    Als ich einmal für eine Zeitung interviewt wurde, meinte der Journalist, dass er zunächst sehr befangen war, weil er nicht wusste, was auf ihn zukommt (er hatte keine Vorstellung vom Down-Syndrom). Die Atmosphäre war dann sehr locker und er bedankte sich bei mir.

    Ich möchte, dass alle Menschen so akzeptiert werden, wie sie sind und glaube, dass sich in unserer Gesellschaft nur dann etwas ändert, wenn wir mehr voneinander erfahren.

    Deshalb war ich schon bei einigen Radio- und Fernsehsendungen zu hören und sehen.

    Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich sprechen und schreiben kann und möchte mich gerne auch für alle Mitmenschen einsetzen, die dies nicht können.

    Darum mache ich gerne bei der Inklusionskampagne der Aktion Mensch mit!

  • Inklusion auf Blindenfreizeiten

    Date: 2012.02.12 | Category: Allgemein, Aus dem Alltag, Bildung und Beruf, Geschichten, Über Mich | Response: 0

    Einige Jahre fuhr ich als Begleiterin mit zu Blindenfreizeiten.

    Das waren sehr schöne Erlebnisse und ich erinnere mich noch gerne daran. Wir waren immer eine sehr gemischte Gruppe, vom Kind bis zum Senior waren  alle Altersgruppen vertreten. Neben körperbehinderten und blinden oder sehbehinderten Teilnehmern waren auch sehende Begleiter und Familienangehörige dabei.

    Wir waren eine sehr fröhliche Gruppe. Jeder Tag begann mit einer Andacht und jeden Abend sangen wir Lieder und erzählten von unseren Erfahrungen.

    Als wir in Braunlage waren, staunten wir nicht schlecht, dass  wir gleich bei unserem ersten Spaziergang in den Ort mit Musik begrüßt wurden. Wir sahen einen Umzug vom Trachtenverein und verschiedenen Musikkapellen.

    In den nächsten Tagen unternahmen wir sehr viel. Wir bewunderten die norwegische Stabhozkirche, das Wahrzeichen von Bockswiese – Hahnenklee und besuchten die Okertalspelle, in der es ein versunkenes Dorf geben soll. Mit der Schmalspurdampfeisenbahn ging es auf den Brocken und mit der Seilbahn auf den Wurmberg. In Werningerode bestaunten wir die Fachwerkhäuser und in Goslar auch die Kaiserpfalz. Außerdem besuchten wir die Rubeländer Tropfsteinhöhle und das Silberbergwerk „Grube Samson“.

    Eine Freizeit ging nach Landschlacht, 15 km östlich von Konstanz in der Schweiz gelegen. Hier besichtigten wir die Appenzeller Käserei. Es war sehr interessant, zu sehen, wie Käse hergestellt wird. Wir bekamen Molke zu trinken und durften verschiedene Käsesorten probieren.

    In Münsterlingen besuchten wir ein Fischereimuseum. Hier entdeckten wir ein großes Holzboot, welches aus dem Bodensee geborgen worden war. Überall hingen Fischernetze und  lebensgroße Fischerfiguren waren zu sehen.

    Fast täglich badeten wir im Bodensee. Auch eine Fahrt zur Insel Mainau, zum Rheinfall von Schaffhausen und nach Konstanz gehörten zum Programm.

    Ein anderes Mal ging es nach Heiligenstadt in die Fränkische Schweiz. Von hier aus besuchten wir die Feste Coburg mit dem Lutherzimmer, bewunderten die Hochzeitskutschen, die Ritterrüstungen und die Waffen. Eine Fahrt ging nach Bamberg, dem Venedig des Nordens, wo wir die Altstadt und den Dom besichtigten, eine andere nach Nürnberg mit der imposanten Burg.

    Mit dem Bus ging es zur Teufelshöhle, einer Tropfsteinhöhle mit Stalagmiten und Stalagtiten bei Gößweinstein Pottenstein und zur Sommerrodelbahn.

    Sicher werden die meisten Leser denken, was sollen blinde Menschen dort, wenn sie gar nicht sehen können? Das dachte ich zuerst auch, aber dann ich habe immer wieder gestaunt, wie interessiert und begeisterungsfähig die blinden Menschen waren und wie gut es ihnen gefiel. Jeder Sehende führte ein oder zwei Blinde und erzählte immer, was es zu sehen gab. Die blinden Besucher durften auch alles vorsichtig anfassen und ertasten.

    Für mich war das auch toll, weil ich schon immer gerne geredet habe und nun freuten sich meine Zuhörer sogar darüber. Weil unsere Blinden auch immer erzählten, was sie alles gesehen haben, vergaßen wir fast, dass sie eigentlich blind sind.

    Wenn wir in eine City kamen, gehörte für die meisten Blinden ein Besuch in der Eisdiele oder im Café dazu. Die jungen Frauen meinten dann manchmal: „ Hier riecht es nach Kleidung, lasst uns shoppen gehen!

    Wir hatten viel Spaß beim Anprobieren und ich erzählte, wie die Kleidungsstücke aussahen und aus welchem Material sie waren.

    Am Ende der Freizeit gab es immer einen bunten Abend mit Lagerfeuer, Gesang und Gitarrenmusik. Wir grillten, führten Sketche  auf, lasen lustige Geschichten und Gedichte. Jeder, der Lust hatte, konnte mitmachen.

  • Tiere helfen, Berührungsängste abzubauen

    Date: 2012.02.12 | Category: Allgemein, Aus dem Alltag, Geschichten, Über Mich | Response: 0

    Wenn ich unterwegs bin, schaue ich immer, ob ich andere Menschen mit Behinderung sehe. Ich achte darauf, wie man mit ihnen umgeht.

    Oft bemerke ich, dass hinter einem behinderten Menschen getuschelt wird und die Leute vor ihm die Straßenseite wechseln. Einmal hörte ich sogar jemanden sagen: „Ich mag keine Behinderten und will nichts mit ihnen zu tun haben!“

    Wenn ein behinderter Mensch einen niedlichen kleinen Hund bei sich hatte, wurde die Aufmerksamkeit dem Tier gewidmet und man unterhielt sich sogar miteinander.

    Als ich im Altenheim arbeitete, fiel mir auf, dass viele Bewohner sehr verschlossen und kaum noch ansprechbar waren. Nachdem dort regelmäßig  Hundebesitzer mit ihren Tieren zu Besuch  kamen, blühten sie auf, streichelten die Hunde und nahmen sogar  wieder an Gesprächen teil.

    Die Liebe zu Tieren verbindet behinderte und nicht behinderte Menschen. Diese Erfahrung machte ich auch mit meinem Hund. Durch ihn hatte ich viel mehr Kontakt zur Außenwelt und mehr Freunde. Immer, wenn wir spazieren gingen, wurden wir in Gespräche verwickelt. Leute, die mich normalerweise ignoriert hätten, freuten sich, wenn wir uns trafen.

    Mein Hund spürte auch immer, wenn ich traurig war und tröstete mich. Meine Kusine erlebte das mit ihrer Katze.

    Auf Blindenfreizeiten waren die anderen Gäste den Blinden gegenüber oft sehr reserviert. Einmal hatten zwei Frauen ihren Blindenhund mit. Da gab es keine Berührungsängste sondern viel Interesse an der Arbeit der Hunde. Wenn sie nicht im Dienst waren, durften wir auch mit ihnen spielen.

    Während meines Praktikums in einer Schule für praktisch Bildbare fuhren wir einmal in der Woche zum therapeutischen Reiten. Da bemerkte ich, dass die Pferde den Schülern gut taten. Die Kinder freuten sich und machten dadurch Lernfortschritte in der Schule.

    Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass selbst autistische Kinder, die gar nicht ansprechbar waren, durch eine Delphintherapie sprechen lernten und keine Angst mehr vor der Nähe ihrer Mitmenschen hatten.

    Ich bin sehr glücklich, dass wir unsere Tiere haben!

  • Mein Haustier Arco

    Date: 2012.02.11 | Category: Allgemein, Aus dem Alltag, Geschichten, Über Mich | Response: 0

    An einem Samstagabend im März 2000, bekam ich eine große Überraschung. Als ich im Bett lag und schlafen sollte, hörte ich ein leises Fiepen und Winseln. Schnell sprang ich aus meinem Bett  und rannte so schnell ich konnte aus meinem Zimmer. Da sah ich ein ganz goldiges kleines Schäferhundbaby mit Schlappohren.  Gleich nahm  ich es auf meinen Arm und streichelte es immer wieder.

    Die erste Nacht durfte unser Hundebaby bei meinem Bruder schlafen. Weil der kleine Racker ständig jaulte und meinem Bruder die Bettdecke wegzog, hatte dieser eine schlaflose Nacht.

    Am nächsten Tag gaben mein Bruder, meine Tante Katharina und ich ihn den Namen „Arco.“

    Arco folgte mir immer auf Schritt und Tritt. Deshalb holte ich die Leine und wollten mit ihm spazieren gehen.

    Zuerst, wollte er nicht an der Leine laufen. Da musste ich immer mit dem Futternapf vorlaufen, damit er sich von meinem Bruder an der Leine führen ließ. Später holte er seine Leine selber wenn er spazieren gehen wollte. Wenn wir ihn aufforderte uns die Schuhe zu bringen, brachte er meiner Mutter, meinem Bruder und mir nacheinander die richtigen Schuhe.

    Schon als er ganz klein war holte er sich riesige Baumstämme und legte sie uns vor die Füße.

    Er liebte das Wasser und war nicht mehr zu halten, wenn wir in die Nähe von einem Teich oder Fluss kamen.

    Vögel liebte er besonders. Wenn wir an einer Voliere vorbeikamen, blieb er stehen und schaute die Vögel an.

    Wenn er Krähen auf dem Feld sah, rannte er hinterher.

    Arco, half meinem Bruder Tobias auch immer bei der Gartenarbeit. Wenn Tobi frische Blumen einpflanzte, buddelte Arco sie aus und legt sie vollkommen zerrupft vor die Haustür. Da Arco ein fleißiger Lehrling war, half er auch bei der Teichpflege.Wenn mein Bruder das alte Schilf abschnitt, brachte Arco es zum Kompost. Selbst als Tobias mit der Arbeit fertig war, arbeitete Arco weiter und holte alle Pflanzen die er kriegen konnte heimlich aus dem Teich.

    Wenn der Postbote die Post brachte, rannte Arco ihm entgegen und nahm ihm die Briefe ab. Er war sehr stolz, wenn er uns die Post überreichte.

    Unsere Nachbarn zwei Häuser weiter haben eine Hündin aus dem gleichen Wurf. Es war zu schön, wenn die zwei miteinander spielten.

    Wenn wir eine Tiersendung im Fernseher anschauten, kroch unser Arco fast in den Fernseher und war ganz gespannt. Waren keine Tiere mehr zu sehen, so verschwand er.

    Mein Knuddelmax merkte immer, wenn ich traurig war und tröstete mich.

    Immer wenn eine Feuerwehrsirene zu hören war, jaulte er mit und alle Leute drehten sich zu ihm um und fingen an zu lachen.

    Arco war ein wunderschönes Tier und viele Leute bewunderten ihn.

    Wenn ein Filmteam zu uns kam und ich gefilmt werden sollte, wurde Arco auch immer gefilmt.

    Wenn es ein Fotoshooting bei uns zu Hause gab, wurde Arco auch fotografiert.

    Darüber bin ich sehr froh, weil ich nun eine sehr schöne Erinnerung an ihn habe.

    Im Mai letzten Jahres musste er leider eingeschläfert werden, weil er einen großen Milztumor und leider auch schon Metastasen im Gehirn hatte.

    Darüber bin ich sehr traurig und vermisse ihn immer noch sehr.

  • Mit dem Tauchschein nach Ägypten

    Date: 2012.01.20 | Category: Allgemein, Aus dem Alltag, Bildung und Beruf, Über Mich | Response: 2

    Mein Bruder ist seit Jahren ein begeisterter Hobbytaucher. Immer wenn er seine Unterwasserfilme und Unterwasserfotos zeigte, wünschte ich mir auch so einen tollen Tauchurlaub. Deshalb war ich froh, als ich im Januar 2010 im Internet unter www.diewasserfloehe.de einen Verein für integrativen Tauchsport in Darmstadt entdeckte. Hier tauchen nicht nur erfahrene Sporttaucher, sondern auch Rollstuhlfahrer, Menschen mit Down–Syndrom, Autismus und anderen Einschränkungen. Jeder lernt nach seinen individuellen Leistungsfähigkeiten zu tauchen. Hier ist wirklich jeder willkommen, egal welche Behinderung er hat.

    Am 23.01.2010 nahm ich am Schnuppertauchen im Griesheimer Schwimmbad teil. Ich wurde mit offenen Armen aufgenommen und fühlte mich sehr wohl und akzeptiert in der Gruppe.

    Weil es mir so viel Spaß machte, wurde ich Vereinsmitglied und tauche nun alle 14 Tage mit.

    Zuerst war ich etwas unsicher, weil ich mit der normalen Maske kaum etwas sehen konnte (ich trage normalerweise eine Brille mit 6,5 bzw. 7 Dioptrien). Deshalb freute ich mich, als ich eine neue Maske mit optischen Gläsern bekam. Beim Training konnte ich nun alles sehen und auch richtig auf die Zeichen reagieren. Die Übungen machten mir sehr viel Spaß.

    Am 30.01.2011 fuhren mein Bruder, meine Mutter und ich mit meinem Tauchlehrer zur Boot-Messe nach Düsseldorf. Hier kauften wir Boots und Geräteflossen für mich. Nun war ich richtig gut ausgestattet für mein Tauchtraining. Flasche und Jackett lieh ich mir bei den Wasserflöhen aus.

    Ich machte so große Fortschritte, dass mein Tauchlehrer meinte: „Bisher hat noch keiner mit Down-Syndrom einen Tauchschein bei mir gemacht, aber Du schaffst das!“

    Darüber war ich sehr froh und wir begannen gleich mit allen notwendigen Übungen: Aufbau, Prüfung und Anlegen der Ausrüstung, Druckausgleich, Tarieren, Maske ausblasen, Oktopusatmung, Notaufstieg, Tauchen ohne Maske, Bergen eines bewusstlosen Tauchers, Verständigung mit Unterwasserzeichen usw.

    Um weitere Übungen für den (open water diver) Tauchschein zu machen, fuhren mein Tauchlehrer Marko, mein Bruder und ich am 13. Mai 2011 nach Siegburg ins Dive4Life, ein Tauchzentrum. Ich tauchte dort zum ersten Mal 18 Meter tief und entdeckte eine versunkene Stadt mit vielen Geheimgängen. Es war sehr aufregend, als wir einen Hai entdeckten, der täuschend echt aussah.

    Für die notwendigen Freiwassertauchgänge  machten wir uns mehrmals auf den Weg zum Biebesheimer See. Dort war die Sicht nicht so gut, aber interessant war es doch. Auf einer Plattform entdeckten wir eine Schaufensterpuppe. Rund um uns herum waren kleine Fischschwärme und große Aale zu sehen.

    Damit ich eine Vorstellung vom (open water diver) Tauchschein bekam, lieh Marko mir den Film „GO DIVE“ aus.

    Ende August begannen Marko und ich mit dem theoretischen Unterricht bei Aquanaut in Darmstadt (einem Tauchzentrum, das die Wasserflöhe unterstützt).   Der Unterricht war sehr interessant und ich lernte viel über die Ausrüstung, Tauchtechniken, Physik, Medizin, Navigation und die Tauchtabelle. Das war aber gar nicht so einfach und ich musste viel lernen. Ich war mir nicht sicher, ob ich die Prüfung (85 Fragen in 90 Minuten) schaffen würde. Aber dann war ich schon nach 60 Minuten fertig und hatte nur einen Fehler.

    Marko war genau so glücklich wie ich, als er mir zur bestandenen Prüfung gratulierte. Als Belohnung bekam ich einen neuen Tauchanzug für den Urlaub im Roten Meer.

    Dann kam auch noch ein Reporter vom Darmstädter Echo und interviewte uns.

    Als der Artikel „Auf der Suche nach dem Clownfisch“ im Echo erschien, waren wir schon in Dahab in Ägypten und hatten nicht nur die Clownfische, sondern auch Adlerrochen, Blaupunktrochen, Stechrochen, Feuerfische, einen  Napoleonfisch mit seinem Jungen, Papageienfische,  Krokodilfische, Seepferdchen, Muränen, Seeschlangen und vieles mehr gesehen.

    Die zwei fehlenden Tauchgänge für meinen Tauchschein machten wir gleich am ersten Tag. Das war schon was anderes, als im Schwimmbad oder im See. Die Unterwasserwelt ist wirklich wunderschön. Natürlich habe ich alle 24 Tauchgänge und sogar einen Nachttauchgang, der schon für meinen nächsten Tauchschein zählt, in mein Logbuch eingetragen.

    Auf der Tauchbasis gab es keine Berührungsängste. Alle waren sehr nett zu mir und staunten, dass ich trotz Down-Syndrom einen Tauchschein habe.

    Wie immer habe ich auch in Dahab darauf geachtet, ob ich Menschen mit Behinderung sehe.

    Ich habe leider keine gesehen, obwohl sie dort sicher auch gerne Urlaub machen würden.

    Als Erinnerung schaue ich mir die vielen Fotos und den Film an.

    Nun träumen wir von einem Urlaub mit allen Wasserflöhen in Ägypten!

  • Wahlrecht auch für Menschen mit Behinderung?

    Date: 2012.01.07 | Category: Allgemein, Aus dem Alltag, Über Mich | Response: 0

    Am Sonntag den 06. 11.2011  war bei uns in Seeheim – Jugenheim Bürgermeisterwahl. Wie immer seit meinem 18. Geburtstag war es für mich selbstverständlich, meiner Bürgerpflicht nachzukommen. Obwohl jeder Bürger in einer Demokratie ein Wahlrecht hat, werden Menschen mit Behinderung ausgeschlossen, wenn ein Betreuer alle ihre Angelegenheiten regelt. Dies erfuhr ich durch eine Pressemitteilung unseres Behindertenbeauftragten Hubert Hüppe. Das finde ich nicht in Ordnung. Mein Onkel war blind, er hatte trotzdem seine eigene Meinung und wollte wählen. Deshalb ging meine Tante immer mit in die Wahlkabine und machte für Ihn ein Kreuz. Ein Wahlzettel in Blindenschrift wäre besser gewesen. Nichtbehinderte Wähler können selbst entscheiden, ob sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Sie können sich zwar informieren, müssen es aber nicht. Manchen behinderten Menschen wird gar nicht zugetraut, dass sie verstehen, worum es geht. Deshalb dürfen sie gar nicht erst entscheiden, ob sie wählen wollen.

    Ich wünsche mir, ebenso wie Herr Hüppe uneingeschränktes Wahlrecht für alle Bürger, so wie es in der UN-Behindertenrechtskonvention steht. Wahllokale müssen barrierefrei sein und jeder Wähler muss die Möglichkeit haben, sich gut zu informieren. Deshalb sollte es täglich Nachrichten auch in leichter Sprache, Gebärdensprache und mit Untertiteln geben. Menschen mit Handicap egal, ob blind, taub, körper- oder geistigbehindert sollten auch eine Assistenz bekommen, wenn es nötig ist.

    Zum Glück hat man ja auch die Möglichkeit, Briefwahl zu beantragen. Da gibt es vielleicht weniger Barrieren.

    Man unterscheidet aktives und passives Wahlrecht: Menschen mit aktivem Wahlrecht dürfen wählen, Menschen mit passivem Wahlrecht dürfen kandidieren und gewählt werden. Vielleicht wäre es gut, wenn mehr Menschen mit Behinderung kandidieren würden, weil sie sicher die Belange behinderter Menschen besser vertreten könnten.